Gegenstand des Projektes sind Moleküldynamiksimulationen an Licht- und Spannungsabhängigen Enzymen. Phytochrome: Phytochrome sind Fotorezeptotproteine, die einen im sichtbaren Spektralbereich absorbierenden Chromophor als prosthetische Gruppe tragen. Er wechselt lichtinduziert zwischen physiologisch aktiven und inaktiven Zuständen, welche zu noch weitgehend unbekannten Strukturänderungen des Proteins führen und letztlich Folgereaktionen in der intrazellulären Signaltransduktion auslösen. Zur Aufklärung der lichtinduzierten strukturellen Veränderungen des Proteins wird ein kombinierter theoretischer und experimenteller Ansatz genutzt. Hierbei sollen Molekulardynamiksimulationen gefolgt von ab-initio Berechnungen unter anderem dabei helfen, experimentelle Schwingungsspektren (insbesondere Raman) von Phytochromen zu interpretieren und Aufschluss über die Struktur des Chromophors in seinen verschiedenen Zuständen geben. Experimentelle Raman und NMR Untersuchungen zeigen, dass der Chromophor in beiden Zuständen (Pr/Pfr) in verschiedenen Subkonformationen vorliegt, die nicht durch Röntgenstrukturdaten charakterisiert werden können. Um mögliche Subkonformationen des Chromophors in der Proteinbindungstasche zu identifizieren, sowie Wechselwirkungen zwischen Protein und Chromophor eingehender zu untersuchen, sollen Moleküldynamiksimulationen mit neuen Kraftfeldparametern für den Chromophor durchgeführt werden. Hydrogenasen: Hydrogenasen katalysieren reversibel die oxidative Spaltung von molekularem Wasserstoff zu Protonen und Elektronen. Sie spielen eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel von meist anaerob lebenden prokaryotischen Organismen. Um die elektrochemischen und spektroskopischen Eigenschaften dieser Redoxenzyme experimentell zu untersuchen, werden sie häufig an Oberflächen (Elektroden) adsorbiert. Hier ist ein tieferes Verständnis über Adsorptionseigenschaften, Orientierungen auf Oberflächen und Effekte, hervorgerufen durch elektrische Felder, auf atomarer Ebene wünschenswert für eine bessere Interpretation der experimentellen Daten. Diese Fragestellungen sollen mithilfe von Moleküldynamiksimulationen beantwortet werden. Ähnlich wie bei den Phytochromen, sind auch für Hydrogenasen QM/MM Berechnungen an den aus Moleküldynamiksimulationen gewonnenen Strukturen geplant, um experimentelle Schwingungsspektren der aktiven Zentren (Eisen-Nickel) zu reproduzieren und damit Details zur Struktur dieser Zentren in Lösung zu erhalten.