TiO2 ist ein kristallines Oxid mit breiter Bandlücke, das in der Elektronik zurzeit unter anderen als hoch-k Dielektrikum und als Hostmaterial für Quantum-Computer-Bauelemente und als Grundla-genmaterial für durchsichtige Elektronik im Fokus der Interesse steht. TiO2 Nanostrukturen (poröse Schichten, Nanoröhren und Nanodrähte) lassen sich relativ leicht herstellen und finden vielseitige Anwendung in der fotokatalytischen Luft- und Wasserreinigung, in der Herstellung und Speicherung von Wasserstoff, in Gasfühlern und in elektrochemischen Solarzellen. Die Gleichgewichtkonzentration der freien Ladungsträger ist in all diesen Anwendungen von großer Bedeutung, wird aber durch eine komplexe Wechselwirkung zwischen absichtlicher Dotierung und intrinsischen und extrinsischen Defekten bestimmt. Da TiO2 normalerweise sauerstoffdefizient ist, spielt die Sauerstoffleerstelle dabei eine zentrale Rolle. Für die elektronischen Anwendungen ist es darüber hinaus essentiell, geeignete Elemente für die n- und p- Dotierung von TiO2 zu finden, bzw. das Verhalten dieser Elemente zu untersuchen. Leider versagen bei den theoretischen Untersuchungen der Defekte in TiO2 die üblichen Näherungen der Dichtefunktionaltheorie. Die Hybridfunktionale ermöglichen zwar eine solche Studie, allerdings mit einem erhöhten Rechenaufwand von 1-2 Größenordnungen. Zusätzlich scheint in TiO2 der von der beschränkten Größe des simulierten Systems herrührende Fehler in vielen Fällen (z.B. bei der Sauerstoffvakanz) viel gravierender zu sein, als das zum Beispiel bei den kovalenten Halbleitern der Fall ist, sodass entsprechend große Superzellen bei den theoretischen Untersuchungen verwendet werden müssen. Angesichts der großen Bedeutung der Fragestellung wird hier ein voraussichtlich dreijähriges Projekt vorgeschlagen, in dessen zweite Jahr die Eigenschaften der Sauerstoffvakanz und einiger ausgewählten p- und n-Typ Dotierelemente untersucht werden soll.