Im Rahmen des vom Bundeministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten OWEA-Projekts soll hier unter Verwendung des Grobstruktursimulationsmodells PALM sowohl die ungestörte, vor allem aber auch die durch vorhandene Windkraftanlagen gestörte turbulente Struktur der marinen atmosphärischen Grenzschicht mit in Messungen und numerischen Simulationen nicht erreichter räumlicher Auflösung untersucht werden. Die Kenntnis der Verhältnisse in der marinen atmosphärischen Grenzschicht, insbesondere des turbulenten Windfeldes, ist Voraussetzung für eine unter Kosten-Nutzen-Aspekten optimale Umsetzung des Windangebots in die Produktion elektrischer Energie an Offshore-Windkraftanlagen. Aufgrund von Randbedingungen wie z.B. der Meerestiefe oder den Kosten für die Übertragung der gewonnenen Energie auf das Festland ist der Platz zur Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen beschränkt. An geeigneten Standorten sollen daher möglichst viele Windkraftanlagen in sogenannten Windparks zusammengefasst werden, d.h. Windkraftanlagen werden im Nachlaufbereich anderer Windkraftanlagen stehen. Die Abschätzung des Energiepotentials ganzer Windkraftanlagen wird dadurch erschwert, dass im Nachlaufbereich geringere mittlere Windgeschwindigkeiten und eine erhöhte Turbulenzintensität (=höhere mechanische Belastung) erwartet werden können, die bisher zur Abschätzung des Windangebots verwendeten mesoskaligen Modelle diese Effekte jedoch nicht explizit auflösen können. Größere Investitionen in den Ausbau der Energiegewinnung in Offshore-Windparks und damit in die Erschließung eines bedeutenden Potentials zur Generierung von Energie aus erneuerbaren Quellen werden nur dann erfolgen, wenn sich die Windverhältnisse an vorgesehenen Standorten mit ausreichender Genauigkeit abschätzen lassen. Da die Leistung von Windkraftanlagen mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zunimmt, könnte eine Überschätzung des Windangebots um lediglich 3% zu einer Ertragsüberschätzung von 9% führen, d.h. die prognostizierte profitable Investition würde sich tatsächlich als nicht profitabel erweisen - ein abschreckendes Beispiel für weitere Investitionen in die Offshore-Energiegewinnung. Im Rahmen des hier vorgestellten Projekts soll eine systematische Untersuchung der Struktur der mittleren Eigenschaften sowie der Turbulenzcharakteristiken der marinen atmosphärischen Grenzschicht inner- und außerhalb des vor Borkum gelegenen Offshore-Testfelds alpha ventus mit dem turbulenzauflösenden Grobstruktursimulationsmodell PALM für verschiedene thermische Schichtungen, Rauhigkeiten und mesoskalige Antriebe erfolgen. Die Ergebnisse der Simulationen (Schritt 1: marine atmosphärische Grenzschicht ohne Windkraftanlagen; Schritt 2: marine atmosphärische Grenzschicht mit einzelner Windkraftanlage, Schritt 3: marine atmosphärische Grenzschicht mit Windpark) sollen mit Messdaten validiert werden und die validierten Ergebnisse schließlich zu einer geeigneten Beschreibung von Nachlaufströmungen beispielsweise zur Verwendung in mesoskaligen Modellen verwendet werden.